Rettungsleitstellen rüsten sich für eCall ab 2018

Donnerstag, 22. September 2016

Hamburg, 22. und 23. September 2016. Das europäische Notrufsystem eCall soll in naher Zukunft die Zahl der Verkehrstoten signifikant senken und schnellere Hilfe für Unfallopfer gewährleisten. Ab 1. April 2018 werden Systeme, die bei einem Unfall automatisch einen Notruf absetzen, als Standard in neue Pkw eingeführt. In den nächsten beiden Tagen findet in Hamburg die größte internationale Konferenz zum Thema eCall statt. Branchenvertreter diskutierten hier einheitliche Infrastrukturen und Bedienkonzepte, um die Funktion des eCall auch bei Reisen quer durch Europa sicherzustellen.

Die eCall Days finden bereits zum sechsten Mal statt. In diesem Jahr treffen sich die ca. 100 Experten aus Europa und der ganzen Welt in Hamburg, um in 17 Vorträgen die aktuellsten Entwicklungen beim eCall, insbesondere im Hinblick auf die grenzüberschreitende Funktionalität des Notrufdienstes zu verfolgen. Referenten von der Europäischen Kommission, von Ministerien, aus der Industrie und von Verbänden beleuchteten dieses Jahr die Ausrüstung der Rettungsleitstellen und die hierfür benötigte Infrastruktur. Ein weiterer Fokus liegt in diesem Jahr auch auf Zweirädern. Sie geben auch einen Ausblick auf die Zukunft des eCall und die mit ihm verbundenen Mehrwertdienste. Den aktuellen Stand der eCall-Technik veranschaulicht
begleitend die Fachausstellung, die voll ausgebucht ist.

Mit dem eCall führt die Europäische Union ein automatisches Notrufsystem für Pkw ein. Ein mit eCall ausgerüstetes Fahrzeug setzt bei einem Unfall, bei dem der Airbag auslöst, automatisch einen Notruf ab. Alternativ kann der Fahrer den Notruf auch manuell aktivieren, wenn er z. B. einen Herzinfarkt erleidet. Das Fahrzeug sendet dann über Mobilfunk einen standardisierten Datensatz inkl. der Standortkoordinaten an die europaweit einheitliche Notrufnummer 112. Zusätzlich wird eine Sprachverbindung von der Rettungsleitstelle ins verunfallte Auto aufgebaut. Rettungskräfte können so schneller und gezielter an den Unfallort entsendet werden. Studien belegen, dass sich die Zahl der Verkehrstoten in Europa so jährlich um 2.500 senken, die Zahl
der Schwerverletzten um 15 Prozent verringern ließe.

Die ab 2018 verpflichtende, flächendeckende Einführung des eCall in neue Pkw haben die Demonstrationsprojekte HeERO (Harmonised eCall European Pilot) 1 und 2 vorbereitet. Die Europäische Kommission ließ in ihren Rahmen von 2011 bis 2014 in neun EU-Staaten Anwendungspiloten durchführen. Testflotten verkehrten grenzübergreifend, zum Beispiel zwischen Deutschland und Tschechien, um das Zusammenwirken der Systeme und Leitstellen Infrastruktur zu prüfen. Der deutsche eCall Pilot wurde von Niedersachsen durch die ITS Niedersachsen GmbH, heute ITS automotive nord, als Konsortialführer administriert. Weitere Partner waren ADAC e.V., Continental Automotive GmbH, Flughafentransfer Hannover GmbH, NavCert GmbH, NXP Semiconductors Germany GmbH, OECON Product & Services GmbH und S1nn GmbH & Co. KG. ITS automotive nord ist auch seit Anbeginn der Ausrichter der eCall Days.

Die Europäische Kommission setzt die Vorbereitung des europaweiten Notrufdienstes konsequent fort, in dem sie ein Folgeprojekt mit Namen I_HeERO fördert. Dieses konzentriert sich auf die Infrastruktur der einzelnen Mitgliedsländer und die damit verbundene Hard- und Softwareausstattung der Notrufleitstellen. Neben der Hauptaufgabe – dem Aufrüsten der Rettungsleitstellen – beinhaltet I_HeERO u.a. die Konzeption eines eCall-Systems für motorisierte Zweiräder und für Nutzfahrzeuge.

Ansprechpartner:
Harry Evers
Geschäftsführer
ITS automotive nord
Hermann-Blenk-Str. 17
38108 Braunschweig
Tel: 0177/85 444 12